Die Bands des Frühlings

Van Holzen

Mit "Anomalie" sind die jungen Van Holzen richtig durchgestartet. Die zwei Jahre seit dem Release ihres Debüts haben sie sehr geprägt – wegen des ständigen Unterwegsseins, aber auch aufgrund von persönlichen Ereignissen. Daraus entstanden: Regen.

Seit 2009 machen die in Ulm lebenden Freunde Florian Kiesling (Gitarre), Jonas Schramm (Bass) und Daniel Kotitschke (Schlagzeug) schon zusammen Musik, damals unter dem Namen Rockfish. Sie sind zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zehn Jahre alt – und spielen trotzdem schon Shows, hunderte sogar. 2015 formieren sie sich schließlich unter dem Namen Van Holzen, bringen eine EP heraus und im März 2017 ihr Debütalbum "Anomalie". Die deutschsprachige Musikszene merkt sofort, dass hier junge Profis am Werk sind. Als Power-Trio mit einem Sound zwischen Alternative und Stoner touren sie unerbittlich, teilweise im Vorprogramm von Headlinern wie Billy Talent, und werden so einem großen Publikum bekannt. Anschließend zieht es sie aber vorerst zurück in die Heimat.

Kiesling rekapituliert: "Es ist viel passiert. Die letzten beiden Jahre waren für uns zum einen total schön, denn wir durften mit 'Anomalie' ganz viel Tolles erleben. Wir hatten unsere Abitur-Prüfungen, waren das erste Mal richtig frei, so ohne Schule. In dieser Zeit macht man sich natürlich ganz andere Gedanken, als wenn man noch die Schulbank drückt." So etwas nimmt Einfluss auf die Songs, die Van Holzen für ihre zweite Platte geschrieben haben. Immerhin reift man in dieser aufregenden Phase seines Lebens besonders schnell, vor allem, wenn sie von vielen Umbrüchen bestimmt wird – und man schon so viel herumkommt wie die drei. "Ich glaube, die Themen sind vielfältiger aber auch persönlicher geworden, weil in den letzten beiden Jahren eben auch viel Schlechtes passiert ist bei uns persönlich, so etwas wie Todesfälle in der Familie." Doch Kiesling und seine Freunde haben auch gemerkt, wie sehr ihr Umfeld für sie da ist und ihnen Halt gibt – ein Grund dafür, warum sie bislang nicht daran denken, aus Ulm wegzuziehen. "Wir haben hier unsere Proberäume, können unser Zeug machen. Es tut uns gut, wenn wir noch ein bisschen hier sind und als Band zusammen in einer Stadt leben. Weil man kennt das: Dann fängt der eine an zu studieren, den anderen zieht es in eine andere Stadt. Uns ist wichtig, dass wir oft proben, wir uns oft sehen, uns oft besprechen – und im Moment kommen wir als Band total schnell weiter, wenn wir hier so unsere Ruhe haben und in unserer kleinen Blase arbeiten können. Wir sind zum Glück alle krass auf einem Nenner. Wir haben so viel Spaß an der Musik und so viel Zeit, lass' es uns einfach erst einmal weiter versuchen. Studieren und alles andere können wir auch noch mit Mitte 20." Erkenntnisse, die Van Holzen ziehen können, weil sie sich für "Regen" viel mehr mit sich selbst beschäftigt haben. Im Titelsong "geht es um die tiefe Traurigkeit, die uns aber gleichzeitig zusammenschweißt", sagt Kiesling. "Wir fanden es total sinnbildlich für die Zeit, in der wir das Album geschrieben haben."

Im Sommer bringen Van Holzen "Regen" auf die Bühne, auch wenn es bei den Open Airs gerne trocken bleiben darf, scherzt Kiesling. Er spielt mit seinen Bands seit Kindesalter auf Festivals, als Zuschauer besucht hat er aber erst wenige. "Mit zwölf kannst du natürlich nicht auf irgendeinen Festivalzeltplatz gehen", grinst er. Jetzt schätzt er es, auch den Platz vor der Bühne kennengelernt zu haben. "Es ist total wichtig, wie sich so ein Besucher fühlt und was er an dem Wochenende macht. Dann kommuniziert man anders mit den Leuten auf der Bühne und versteht eher, warum sie das gerade so geil finden, auf dem Festival zu sein." Was ihn auch fasziniert ist, wie gut seine Band auf internationalen Festivals wie dem Sziget in Ungarn angenommen wird, wo ein Großteil des Publikums die Texte nicht versteht. "Ich glaube, wenn man etwas zu sagen und die Musik eine Energie hat, dann verstehen das auch Leute, die kein Deutsch sprechen." Diese Energie kanalisieren Van Holzen auch mit Regen wieder – das werden alte und viele neue Fans spüren.