Trotz grauem Himmel, angesagtem Regen und kühlen Temperaturen ließen sich die Festivalgäste nicht davon abhalten, das Gelände mit Leben zu füllen. 45 Acts, ein Riesenrad mitten auf dem Gelände, eine familiäre Atmosphäre und ein vielseitiges Programm machten das Bautz Festival zum Treffpunkt für alle Generationen. Durch Angebote für Kinder, eine “Fun-Area”, Gewinnspiele und einen Tattoo-Stand schaffte das Festival den Spagat zwischen Dorffest und Großevent. Hier kennt einerseits zwar jeder jeden, aber auch wer nicht aus Lüdenscheid kommt, fühlt sich zu Hause.
Spontaner Austausch
Improvisation gehört beim Bautz dazu: Nur 48 Stunden vor Festivalstart mussten die Headliner Mando Diao krankheitsbedingt absagen. Als Ersatz sprangen kurzfristig H-Blockx ein und verwandelten den Rückschlag in ein Highlight. Die Münsteraner, die auch schon 2022 auf der Mainstage gespielt haben, lieferten einen Auftritt ab, der Jung und Alt gleichermaßen einheizte.
Neben den Rockfans kamen auf dem Festival auch Freunde von Indie, Deutschrap, Metal, Schlager und Blasmusik voll auf ihre Kosten. Während auf der einen Bühne 187-Rapper GZUZ das Mikrofon übernahm, brachte Schlagerstar Lorenz Büffel auf der anderen Seite die Crowd zum Tanzen. Dazwischen sorgten Querbeat, Greeen, Van Holzen oder Agnostic Front für ausgelassene Stimmung – ein Mix, der auf dem Papier kaum zusammenpasst, aber vor Ort seltsam gut funktionierte. Das Motto der Veranstalter: „Bist du bereit für den kontrollierten Clash des Genres?“ – und das Publikum antworte klar mit: Ja!
Trotz des wilden Stilmixes bleibt ein Aspekt nicht unbemerkt: das unausgewogene Geschlechterverhältnis im Line-up. Die Iserlohner Künstlerin Fløre, die am Freitag das Festival eröffnete, nutzte ihre Plattform für einen wichtigen Appell: „Die Garderoben der FLINTA*-Artists hier sind leer“ erklärt sie dem Publikum und macht damit auf ein strukturelles Ungleichgewicht aufmerksam, das in der Festivalwelt weit verbreitet ist – hier jedoch besonders spürbar wird. Auch Bausa nutzte seine Bühne, um Haltung zu zeigen, und widmete seinen Song „Frühling im Viertel“ den Menschen in Gaza: „Es ist nicht egal. Es geht uns alle was an.“
Mallorca im Sauerland
Neu war in diesem Jahr die Bühne der “Alma de Mallorca”, vor allem Olaf der Flipper sorgte dort für Ausnahmezustand. Die Schlagerlegende war so gefragt, dass rund um die Bühne kaum noch ein Durchkommen war. Bei Klassikern wie “Lotosblume” und “Wir sagen danke schön” gab das Publikum alles und war teilweise lauter als der Sänger selbst. Nach seinem Auftritt wurde er wie ein Staatsgast in einem schwarzen Wagen vom Gelände eskortiert, nahm sich aber zuvor noch die Zeit für Selfies und Handschläge mit den Anwesenden. Die euphorische Menge zog anschließend in die benachbarte Partyhütte weiter, wo die Musik nahtlos weiterspielte und man sich plötzlich fühlte, als wäre man wieder 15 auf einem Schützenfest in der Heimat.
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Bargeldlos und unkompliziert
Erstmals setzte das Festival 2025 auf “Cashless Payment”. Bezahlt wurde per Chip im Festivalbändchen und das funktionierte erstaunlich reibungslos. Die Schlangen wurden kürzer, der Ablauf an Ständen und Bars deutlich entspannter. Für einige fast zu unkompliziert: Ein Besucher lud kurz vor Schluss noch einmal 100 Euro auf – zum Glück lässt sich das verbleibende Guthaben ganz einfach zurücküberweisen. Oder direkt vor Ort in flüssige Festivalwährung verwandeln.
Wie gewohnt freuten sich Campinggäste über den kostenlosen Zugang zum angrenzenden Freizeitbad Nattenberg, das bei dem herbstlichen Wetter jedoch deutlich weniger besucht war. Umso beliebter waren die Shuttlebusse, die dieses Jahr erstmals im Halbstundentakt durch die Stadt rollten und die Festivalbesucher:innen zum Gelände brachten. Mit jeder Station stieg die Stimmung und damit auch der Pegel– und mindestens genauso oft erklang: “Ein Hoch auf unseren Busfahrer!”
Wer nach dem Programm zwischen Schlager, Rap und Metal noch Energie hatte, fand sein Glück vor der Turntable-Stage. Dort sorgten DJs wie der Niederländer Jeborer, 1-Live-Moderator Jan-Christian Zeller oder das Duo Tube & Berger für elektronische Sounds. Besonders Samstagnacht wurde hier nochmal alles gegeben. Als letzter Act lieferten 404 B2B Nocta bis 2 Uhr nachts eine berauschende Abschlussparty und ein würdiges Festivalfinale.
„Wir sagen danke schön“ – Fünf Jahre Bautz
Zwei Tage lang brachte das Bautz Musiker:innen und Menschen zusammen, die sich sonst selten begegnen – und genau das machte seinen besonderen Zauber aus. Wer sich jetzt schon fragt, wann das alles wieder passiert: Die nächste Ausgabe ist bereits angekündigt. Am 28. und 29. August 2026 geht’s in die sechste Runde. Vielleicht dann mit mehr Sonnenschein. Und hoffentlich mit mehr FLINTA*-Acts.
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Text: Inga Nelges





