Das Wireless Festival gehört zu den bekanntesten Musikfestivals Großbritanniens. Jedes Jahr zieht das Festival im Londoner Finsbury Park bis zu 150.000 Besucherinnen und Besucher an. In diesem Jahr sollte es ein spektakuläres Headliner-Booking geben – doch daraus wird nun nichts mehr.
Als Veranstalter Festival Republic Rapper Kanye West, der seit Jahren unter dem Künstlernamen Ye auftritt, als Headliner für alle drei Festivaltage ankündigte, begann eine Eskalationsspirale, die schließlich zur vollständigen Absage des Events führte. Das britische Home Office entzog West zuletzt sein Electronic Travel Authorisation (ETA) und verwehrte ihm die Einreise ins Vereinigte Königreich. Festival Republic teilte daraufhin mit, das Festival werde ersatzlos abgesagt und alle Tickets vollständig erstattet.
Antisemitismus-Debatte als Auslöser
Hintergrund der Kontroverse ist Kanye Wests langjährige Historie an antisemitischen Aussagen und Aktionen. Zu seinen bekanntesten Vorfällen zählen das 2025 veröffentlichte Lied „Heil Hitler”, der Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuzen über seinen Online-Shop sowie öffentliche Holocaust-Leugnungen. Anfang 2026 hatte West in einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal eine Entschuldigung veröffentlicht – doch diese reichte vielen nicht aus.
Der britische Premierminister Keir Starmer äußerte sich bereits früh „tief besorgt” über die Buchung von West im Festival-Line-up und betonte, Antisemitismus müsse überall entschieden bekämpft werden. Londons Bürgermeister Sadiq Khan ließ ausrichten, Wests vergangene Äußerungen seien „schlicht nicht vereinbar mit den Werten Londons”. Nach der Absage stellte Starmer klar: West hätte niemals eingeladen werden dürfen.
Sponsoren zogen sich zurück
Den ersten Schritt, der zur Absage des Festivals führte, machte Pepsi – seit über einem Jahrzehnt Hauptsponsor des Festivals – mit dem Rückzug aus der Partnerschaft vergangenes Wochenende. In den Folgetagen schlossen sich weitere große Marken an, darunter Diageo, Rockstar Energy und PayPal. US-Schauspieler David Schwimmer dankte den abgesprungenen Sponsoren öffentlich und rief die verbliebenen Marken auf, es ihnen gleichzutun. Die jüdische Gemeinschaftsorganisation Board of Deputies of British Jews begrüßte die Einreiseverweigerung, kritisierte aber gleichzeitig, dass die Situation hätte viel früher gelöst werden können.
Kurz vor der Einreiseverweigerung hatte West selbst eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er ankündigte, er wolle in London ein „Konzert des Wandels” präsentieren und stehe für ein persönliches Gespräch mit der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung. Festival-Republic-Chef Melvin Benn verteidigte die Buchung und appellierte an „Vergebung” angesichts von Wests psychischer Erkrankung. Diese Geste kam zu spät. Das Home Office handelte noch am selben Tag. Die Vorverkaufs-Tickets, die am Dienstagmittag innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren, werden nun vollständig erstattet.





