Mark Forster im Interview

Pop auf Deutsch

Mark Forster erfindet seine Internet-Präsenz neu. Wie einer der größten deutschen Popstars seinen Weg in virale TikTok-Trends gefunden hat und was uns im Rahmen seiner Sommertour 2026 erwartet, berichtet er im Interview.

Pop auf Deutsch
Foto: Mark Forster (Foto: Tom Gerhart)

Mark, wann hast du das letzte Mal „Hurra“ gerufen, weil es Kuchen gab?

Das ist einer der Vorteile an den Mark-Forster-Memes: Kuchen hat mein Leben wieder betreten. Ich werde aktuell sehr häufig mit Kuchen begrüßt. Wenn ich dafür nur „Hurra“ rufen muss, dann bin ich dabei.

Was ist dein Lieblingskuchen?

Ich bin ein großer Freund von Rührkuchen. Aber mein Lieblingskuchen ist Eierlikörkuchen, wenn er gut gemacht ist.

In den vergangenen Jahren hast du den Imagewandel vom Internet-Meme zum Phänomen in der Gen-Z geschafft. Was für Veränderungen hat das mit sich gebracht?

Die Memes haben dafür gesorgt, dass ich mich mit einer Welt beschäftige, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich war lange in der Deutschpop-Welt unterwegs, das hat jedoch nach meinem Stadionkonzert 2023 ein Ende gefunden. Seitdem sage ich auch, dass ich keinen Deutschpop mehr mache, sondern Pop auf Deutsch. Das macht, meiner Meinung nach, einen Unterschied. Zeitgleich mit dieser Show 2023 tauchten die ersten Memes online auf. Ich fand das witzig, konnte aber nicht verstehen, warum die Sache so groß war. Als ich anfing, mich damit zu beschäftigen, habe ich dann eine neue Kunstform für mich entdeckt.

Versuchst du, diese neue Hörer*innenschaft in deiner Musik anzusprechen?

Ja, aber ich glaube nicht, dass das funktioniert. Es gibt systemische Grenzen in der Ansprache, etwa dadurch, dass im Radio keine deutschen Lieder mehr gespielt werden. Auf Spotify kann man quasi nicht in den Streamingcharts landen, wenn man nicht rappt. Das sind zwei Probleme, die ich habe. Was ich dagegen sehr frei gestalten kann, sind Instagram-Reels und TikToks. Also lebe ich mich lieber dort aus als an Orten, an denen ich in bestimmten Systemen gefangen bin.

Mark Forster (Foto: Tom Gerhart)
Mark Forster · Foto: Tom Gerhart

»Ich habe gesehen, wie sehr wir davon profitieren würden, wenn sich unsere Wege häufiger kreuzen würden.«

Mark Forster

Das klappt offensichtlich mit durchschlagendem Erfolg. Waren die Anfänge auf den Social-Media-Plattformen befremdlich für dich?

Ja. Ich musste erst lernen, diese Form der Ironie meiner Person gegenüber öffentlich auszuleben – ich bin ja kein Comedian.

Gab es in letzter Zeit einen Trend, bei dem du dir dachtest: „Okay, jetzt komme ich nicht mehr mit?“

Das geht mir bei allen Trends zu Beginn so. Ich habe aber auch nicht den Anspruch, Trendsetter zu sein.

Aktuell vergleichen viele Leute auf Social-Media das Jahr 2026 mit 2016. Was ist dir aus 2016 als besonderer Moment im Kopf geblieben?

2016 war ein Jahr, in dem bei mir quasi alles geklappt hat. Ich war im ZDF Sportstudio und habe zum ersten Mal in meinem Leben auf eine Torwand geschossen und direkt zweimal getroffen, obwohl ich absolut nicht Fußball spielen kann. Das fasst dieses krasse Jahr irgendwie gut zusammen.

Für das Musikvideo zu deiner aktuellen Single Ein Lied hast du Leute dazu eingeladen, einen Tag mit dir zu verbringen. Welche Momente sind dir von den Drehtagen besonders im Gedächtnis geblieben?

Wir wurden für die Aktion von Anfragen überrannt! Ich könnte die nächsten zehn Jahre jeden Tag mit einem anderen Menschen verbringen, um alle abzuarbeiten. Die Tage, die wir dann aber letztendlich mit den Leuten verbracht haben, waren die erkenntnisreichsten der vergangenen Jahre. Ich habe etwa mit der Berliner Stadtmission für 700 Menschen Spaghetti Bolognese gekocht und war in einer Kinderklinik, in der ein kleiner Junge am Tag zuvor eine neue Niere bekommen hatte. Er sah aus, als wäre er acht Jahre alt, er war aber schon 14 Jahre alt und hatte Augen wie ein 70-Jähriger.

Was hast du aus dieser Aktion für dich selbst mitgenommen?

Ich habe an diesen Tagen die volle Breitseite Leben abgekriegt und musste feststellen, wie krass es ist, dass so viele verschiedene Leben gleichzeitig ablaufen. Ich habe auch gesehen, wie sehr wir davon profitieren würden, wenn sich unsere Wege häufiger kreuzen würden.

Was versuchst du zu tun, um aufmerksamer durch die Welt zu gehen?

Ich habe mir ein altes Handy besorgt, auf dem ich nur angerufen werden kann, damit ich das Smartphone mal weglege.

Das macht dich quasi zum deutschen Ed Sheeran, der lebt schließlich auch schon einige Jahre ohne Smartphone.

Das bin ich sowieso schon. (lacht) Ed Sheeran hat damit aber zu einer Zeit angefangen, als es vermutlich noch einfacher war als heutzutage. Außerdem hat er bestimmt Personal, das alles für ihn regelt. So weit bin ich noch nicht.

Der Songtitel für Ein Lied ist mit Hinblick auf Suchanfragen im Internet eher ungünstig gewählt. Ist dir das im Vorgang an die Veröffentlichung aufgefallen?

Nein, und das ist wirklich dumm. Ich finde es immer gut, wenn sich der Titel eines Songs aufdrängt – Chöre heißt Chöre, Au Revoir heißt Au Revoir, warum das so ist, wird bei beiden Songs schnell klar. Bei Ein Lied hat sich der Titel ebenfalls aus dem Refrain heraus aufgedrängt, aber wenn man jetzt seiner Alexa sagt, dass sie Ein Lied von Mark Forster spielen soll, spielt sie leider Flash Mich. Die nächste Single sollte ich vermutlich Harry Styles oder Taylor Swift nennen.

Damit könnte bestimmt nichts schiefgehen. Aktuell möchtest du lieber Singles statt eines ganzen Albums veröffentlichen – warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Weil niemand mehr Alben hören will. Ich möchte nichts veröffentlichen, was die Leute gar nicht haben wollen. Ich bemerke das bei mir selbst mit Neuveröffentlichungen anderer Künstler*innen: Neue Musik erscheint zu schnell für mich, ich komme nicht mehr hinterher.

Mark Forster (Foto: Tom Blanc)
Mark Forster · Foto: Tom Blanc

»Meine Konzerte sind ein bisschen wie die der Backstreet Boys: Du gehst ohne Erwartungen hin und kennst trotzdem jeden Song.«

Mark Forster

Dein Rebranding hast du nicht nur online umgesetzt, sondern auch live: Etwa auf deiner Tour 2024 waren Werbepausen und Memes während der Songs Teil der Bühnenshow. Wirst du auf dieses Prinzip auch bei den Konzerten diesen Sommer setzen?

Nein, das hat 2024 gut geklappt, aber da war TikTok auch ein anderer Ort und es war witzig, dass sich ausgerechnet Mark Forster dem Brainrot annimmt. Ein Stück weit war es auch meine Art der Gesellschaftskritik, mit der ich aussagen wollte, dass Leute sich nicht einmal mehr ein Konzert in Gänze anschauen können, ohne über drei weitere Screens Input zu bekommen. Aber das jetzt, zwei Jahre später, was bekanntlich eine halbe Ewigkeit im Internet ist, nochmal zu machen, wäre komisch.

Was ist stattdessen deine Taktik?

2026 machen wir richtig Musik, wir lassen nichts vom Band laufen. Und es bleibt natürlich eine fette Show.

Was wäre dein Verkaufsargument, um jemanden davon zu überzeugen, zur Tour zu kommen?

Es ist ein bisschen wie bei den Backstreet Boys: Du gehst ohne Erwartungen hin und kennst trotzdem jeden Song. Außerdem versuchen wir stets, ein Fähnchen der Zuversicht hochzuhalten. Unsere Shows sind also gut für die Seele.

Kannst du uns zum Abschluss noch deinen ultimativen Festival- und Tour-Überlebenstipp mitteilen?

Nehmt ein eigenes Kopfkissen mit! Das verändert alles.

Mark Forster – Live 2026:

17.06. Coburg – Kulturfabrik Cortendorf19.06. Kassel – Friedrichsplatz20.06. Aurich – Mehrzweckgelände Tannenhausen26.06. Dresden – Filmnächte Am Elbufer27.06. Hannover – Gilde Parkbühne 28.06. Dortmund – Revierpark Wischlingen04.07. Schaan (FL) – FL.1LIFE Festival05.07. Klagenfurt (A) – Wörthersee Ostbucht09.07. Bremen – Galopprennbahn10.07. Friedberg (Hessen) – Seewiese17.07. Kitzingen bei Würzburg – Am Stadtbalkon18.07. Berlin – Zitadelle Spandau24.07. Emmendingen – Schlossplatz 25.07. Dillingen/ Saar – Lokschuppen Open Air26.07. Tüssling – Schlosspark01.08. Kaltenberg – Schloss Kaltenberg Arena02.08. Lauchheim – Schloss Kapfenburg03.08. Füssen – Barockgarten08.08. Biel – Bienne/ NIadu (CH) – Lakelive Festival13.08. Köln – Open Air am Tanzbrunnen14.08. Gronau – Summerfeelings21.08. Lübeck – Kulturwerft Gollan22.08. Bergen auf Rügen – Waldbühne Rügen23.08. Braunschweig – Brawo Bühne03.09. Erfurt – Festwiese Petersberg04.09. Koblenz – Deutsches Eck05.09. Hockenheim – Glücksgefühle Festival