Das in Schrobenhausen – einer Kleinstadt in der Nähe von Ingolstadt – gelegene Festival ließ auch dieses Jahr wieder mit einem fulminanten Line-up aufwarten. An- und Abreise zum Festival funktionierten dank eigens organisierter Sonderzüge bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Am Gelände angekommen wurden die Besucher:innen nicht nur von sehr freundlichen Mitarbeiter:innen, sondern auch von sehr klaren Statements gegen Diskriminierung jeglicher Art, die auch im Laufe des Festivals immer wieder betont wurden, willkommen geheißen.
Freitag: Deutsche Acts treffen auf britischen Folk-Punk-Sänger
Auch wenn die Wetterprognose sowohl für Freitag als auch Samstag viel Regen verhieß, tat dies der ausgezeichneten Stimmung am Festival keinesfalls Abbruch. Trotz vorbeiziehendem Regenschauer strömten die Besucher:innen bereits in den frühen Abendstunden auf das Festivalgelände, um auch den etwas unbekannteren Bands zu lauschen. Auf der Hawkins Stage überzeugten Kafvka das Publikum mit klaren politischen Botschaften gegen rechts, die einmal mehr von den Organisator:innen des Festivals klar unterstützt wurden. Das Lumpenpack sorgte wenig später zwar für etwas mehr Party-Stimmung, brachte in deren Songs aber nicht weniger wichtige Inhalte und Botschaften mit.
Ebenso klar positionierten sich Blackout Problems, deren Sänger Mario Radetzky seinen Bühnenplatz direkt mal wieder lieber mitten ins Publikum verlagerte. Zum Song “Rome” ließ es sich Mario dann auch nicht nehmen, wie bereits 2022 Festival-Organisator Andi Baierl gemeinsam mit seiner Ehefrau zum Crowdsurfen einzuladen. Der folgende FLINTA*-Moshpit rundete das Set ab. Ein besonderes Instrument sollte während des Auftritts aber gleich zweimal zum Einsatz kommen: Neben Bassist Marcus Schwarzbach gab es auch von Jörg Weber – dem Bruder von Flo Weber (Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller) – eine Einlage am Saxofon. Übrigens: Schlagzeuger Johannes Pressl hatte an diesem Abend gleich zwei Einsätze: zuerst auf der Backyard Stage bei Peter aus der Mozartstrasse und später auf der Hawkins Stage bei Blackout Problems.
Nachdem sowohl Bühne als auch Publikum vorgewärmt waren, wurde es Zeit für den Headliner des Abends: Frank Turner spielte gemeinsam mit seiner Band The Sleeping Souls die exakt 3059. Show seiner Karriere. Mit Ansprachen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch und bekannten Hits wie “Photosynthesis”, “Recovery” und “I Still Believe” wusste er das Publikum auch zu später Stunde mühelos zu überzeugen. Mit einem kleinen Feuerwerk ging der erste Abend dann gegen 1 Uhr nachts zu Ende. Für alle Besucher:innen, denen das noch nicht genug war, gab es im nahe gelegenen Herzog-Filmtheater noch die Möglichkeit, den Abend bei einer Aftershow-Party mit DJ-Set ausklingen zu lassen.
Beitrag auf Instagram ansehen
Samstag: Vom Regen zur Party
Das Team des Noisehausen Festivals hatte am Samstag gleich zweimal Grund zur Freude: Das Festival war offiziell ausverkauft! Und während der Regen sich nachmittags noch hartnäckig hielt, verzog dieser sich zum Auftritt von Montreal, die zum ersten Mal in ihrer bereits über 20 Jahre langen Karriere beim Noisehausen Festival auftraten. Die grundlegend positive Stimmung beim Festival zeigte sich auch dann, als im Rahmen des Kultur.Konvoi zwei Musiker:innen aus der Ukraine bei einer Live-Übertragung die Möglichkeit hatten, einen Song vor Publikum zu spielen. Sie entschieden sich für den Song “Don’t Look Back in Anger” von Oasis, der von den Anwesenden vor Ort lautstark mitgesungen wurde. Initiiert wurde dies unter anderem von den Sportfreunden Stiller, die damit einmal mehr ihr gesellschaftliches Engagement bewiesen.
Damit folgte das lang erwartete und größte Highlights des Abends: Die Sportis überzeugten das Publikum nicht nur aufgrund ihrer längst bekannten wie eingängigen Hits wie „Ein Kompliment“, „Das Geschenk“ oder „Applaus, Applaus“, sondern wohl auch der Tatsache geschuldet, dass mit Flo Weber ein gebürtiger Schrobenhausener am Schlagzeug sitzt. Aufmerksamen Besucher:innen sprang neben Peter Brugger und Rüde Linhof eine weitere Person auf der Bühne ins Auge: Jörg Weber, der wie schon am Vortrag mit weiteren Live-Musiker:innen die Band am Saxofon begleitete.
Abschluss des Festivals bildete der Auftritt von Heisskalt, die sich innerhalb kürzester Zeit nach ihrem lang ersehnten Comeback im letzten Jahr die Herzen ihrer Fans zurückeroberten und nach dem erfolgreichen Auftritt am Noisehausen Festival einige neue dazugewinnen konnten. Übrigens: Bassistin Lola Schrode verbrachte gleich das gesamte Wochenende am Noisehausen Festival, denn sie stand am Vortag bereits mit dem Lumpenpack auf der Bühne.
Beitrag auf Instagram ansehen
Rund um das Festival
Das Noisehausen Festival ist mit dem Veranstaltungsort am Bauer-Rondell ideal in Bahnhofsnähe gelegen, womit eine Anreise sowohl per Auto als auch ÖPNV problemlos möglich ist. Besonders hervorzuheben ist die auffallende Dekoration des gesamten Festivals, die liebevoll von vielen freiwilligen Helfer:innen gestaltet wird. Das Noisehausen bekennt sich nicht nur gegen jegliche Arten von Diskriminierung, sondern lebt diese Werte aktiv: Neben klaren Statements auf und neben der Bühne stand das gesamte Wochenende über ein Awareness-Team bereit, das für Anliegen der Besucher:innen verfügbar war.
Auch das vielfältige Gastronomie-Angebot ließ für ein Festival in dieser Größe überhaupt keine Wünsche offen. Abgerundet wurde das Programm abseits der Bühne von einem Schallplatten- und Plakatverkauf sowie von Aktionen von Jugendlichen aus Schrobenhausen, die unter anderem Pfandbecher für den guten Zweck sammelten. Positiv hervorzuheben sind die Sauberkeit des Festivals, die fairen Preise sowie der entspannte Umgang der Besucher:innen untereinander.
Beitrag auf Instagram ansehen
Festival-Jubiläum 2026
Nach dem offiziellen Spielschluss am Samstag schnappte sich um 1 Uhr nachts Veranstalter Andi Baierl (kurz) das Mikrofon, um sich in einer über 11 Minuten langen Rede bei allen Beteiligten – angefangen bei den Bands, den (freiwilligen) Mitarbeiter:innen in allen Rollen bis hin zu den Sponsoren – zu bedanken. Er freue sich bereits sehr auf das Jubiläum im nächsten Jahr, wenn die 10. Ausgabe des Noisehausen Festivals am 24. und 25. Juli 2026 in Schrobenhausen stattfindet.
Beitrag auf Instagram ansehen
Nachbericht: Lukas Pagitz & Pia Meier





