Summer Breeze Festival 2025

Staubschlacht unter Freunden

Im beschaulichen Sinbronn fanden sich vom 12. bis zum 16. August knapp 45.000 Besucher:innen ein, um beim ausverkauften Summer Breeze Heavy Metal in allen erdenklichen Kostümen und Geschmacksrichtungen zu genießen. Von Elfen bis Dinosauriern war alles dabei – unser Streetteam berichtet.

Staubschlacht unter Freunden
Foto: Summer Breeze Festival (Foto: Saskia Becker)

Das bayerische Wacken-Äquivalent Summer Breeze hat auch in der 26. Ausgabe einiges mit dem größten Metal-Festival Deutschlands gemeinsam: Ein guter Teil des Line-ups stimmt überein, und außerdem ist es immer dann staubig und trocken, wenn es nicht gerade in Strömen regnet. Schon vom Anreise-Dienstag an stehen die Zeichen auf Sonnenschein und Trockenheit. Beste Bedingungen zum Campaufbau und um den Campsite Circus mit den ersten Aufwärmbands in Betrieb zu nehmen. Diese Ruhe soll die nächsten vier Tage noch vergehen, also eins nach dem anderen:

Festivalstart am Mittwoch

Traditionsgemäß eröffnet der lokale Verein Blasmusik Illenschwang die Hauptbühne. Die tschechische Grindcore-Band Gutalax gehört ebenfalls zu den Wiederholungstätern, weshalb alle Zuschauer wissen, was von ihnen erwartet wird. Es entbrennt eine wilde Schlacht, in der Klopapier und -bürsten die wichtigsten Waffen sind. The Halo Effect haben gravierende technische Probleme, weshalb sie eine Viertelstunde lang immer  wieder spielen und abbrechen müssen. Wer nicht so viel Geduld hat, kann auf der T-Stage miterleben, wie Crystal Lake ganzkörperlichen Krieg gegen ihre Instrumente führen. Während von der Hauptbühne die letzten Töne vom Headliner In Extremo verhallen, legen Aephanemer auf der überdachten Tool Rebel Stage ihr Summer-Breeze-Debüt hin. Ihr Mix aus opernhaftem Gesang und melodischen Death Metal scheint zu überzeugen, denn trotz später Stunde verdichten sich die Reihen. Die isländischen Post-Rocker Sólstafir beweisen mit Gitarrenkrach, Cellobögen und dichter Atmosphäre, dass sie im Herzen zwar Black-Metaller sind, ihre Kräfte jedoch für das Gute einsetzen. Diesen Tagesabschluss kann nichts mehr übertreffen.

Brüllende Hitze am Donnerstag

Die Sonne scheint unbarmherzig, der Boden ist knochentrocken und an allen Wasserstellen bilden sich lange Schlangen. Die Nu-Metal-Chaotinnen Hanabie. rufen zum größten Cirlce-Pit des Wochenendes auf und verschwinden schnell hinter einer dicken Staubwolke. Auch strategisch eingesetzte Wasserkanonen kühlen die Menge nur bedingt ab. Bei Landmvrks kommen sowohl die besten als auch die schlechtesten Seiten des Publikums hervor: Während Fremde Wasser und Joints miteinander teilen, erleiden ein paar Crowdsurfer:innen schmerzhafte Stürze. Dank hoher Hilfsbereitschaft und Einsatz der Security kommt jedoch wohl niemand ernsthaft zu Schaden. Gojira haben seit ihrer letzten deutschen Festivalsaison einen verdienten Popularitätsschub erhalten (Olympia sei Dank): So können sich die Franzosen noch mehr Licht und Feuer auf die Bühne stellen, im Kern ist ihre Show jedoch dieselbe geblieben. Zwischen ernsten Texten und ernsten Ansagen darf Schlagzeuger Mario Duplantier ein wenig rumalbern und über Pappschilder mit dem Publikum interagieren. Deutlich humorloser gibt sich das Duo Mantar auf der T-Stage. Erinç Sakaryas Schlagzeug wackelt bedrohlich unter seinen Schlägen, und die abgefuckten Klänge aus Hanno Klänhardts Gitarre halten auch um halb drei Uhr morgens noch wirksam wach.

Stilmix am Freitag

Als wäre der Stilmix des Festivals nicht schon breit genug, wird dieser am Freitag geradezu kurios: Royal Republic sind sich bewusst, dass ihr Alternative Rock nur bedingt zum Festival passt, „aber wir mögen halt Geld“. Mit viel Augengezwinker und aufschneiderischem Charisma covern sie kurzzeitig Metallicas „Battery“, bevor aus vielen tausend Mündern einstimmig „Rata-tata“ ertönt. Kurz danach schlägt das Wetter um. Murmelgroße Regentropfen prasseln auf die Festivalbesucher:innen nieder. Fit For A King stören sich nicht daran und ziehen ihr Set routiniert durch, obwohl die Techniker:innen hinter ihrem Rücken hektisch die Bühne wetterfest machen. Als die Donots ihr Set beginnen, hat sich der Regen bereits wieder verzogen. Die Punkrocker sehen sich musikalisch zwar fehl am Platz, betonen jedoch die Gemeinsamkeiten zwischen Metalheads und Punks: „Wir können uns auf eine gute Art aufs Maul hauen, und wir sollten eine klare Kante gegen Rechts haben.“ Diese Ansage wird gelebt, denn Frontmann Ingo Knollmann kann dem Schlamm vor der Bühne nicht widerstehen und sucht den direkten Kontakt mit seinem Publikum. Dass der Fantasy-Metal-Band Blind Guardian noch Pyrotechnik für ihre Show bleibt ist beachtlich, denn kurz zuvor haben Evil Invaders bereits eine beeindruckende Menge an Nebel, Funken und Feuer verbraucht – beinahe im Sekundentakt und oftmals alles drei in Kombination. Blind-Guardian-Frontmann Hansi Kürsch hat auch nach 40 Jahren mit der Band nichts an Gesangstalent eingebüßt, aber er kennt sein Publikum gut: „Ich verabschiede mich mehr oder weniger für die nächsten vier Minuten; denn IHR singt ‘The Bard’s Song’.“ Die Klänge von Kriegshörnern leiten danach in den Auftritt der norwegischen Ritual-Folk-Band Wardruna ein und verstummen auch bis in die Nacht nie vollkommen.

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Programm für die Kleinsten am Samstag

Trotz vorübergehender Öffnung des Festivalgeländes für Familien besteht das Publikum bei Heavysaurus nur zu einem kleinen Teil aus Kindern. Wenig verwunderlich machen laut johlende, erwachsene Dino-Fans den Großteil aus. Auch das vermehrte Aufgebot von (hauptsächlich Dinosaurier-) Kostümen jeder Machart verwundert da nicht. Die Post-Hardcore-Band Annisokay kann die Dino-Begeisterten zwar nicht halten, aber einige Mosher:innen, die ihre Moves beim Dreh eines Musikvideos unter Beweis stellen wollen (das Streetteam hat hierbei den Verlust einer rechten Schuhsohle zu beklagen). Auch im Moshpit bei Vader geht es hoch her: Menschen klatschen sich zwischen Schubsern und Schlägen lächelnd ab und liegen sich am Ende der Show in den Armen (das Streetteam hat hierbei den Verlust einer linken Schuhsohle zu beklagen). Machine-Head-Frontmann Rob Flynn scheint mindestens genauso viel Spaß zu haben wie das Publikum, während er ihm volle Bierbecher zuwirft. „Ich glaube ich habe mich gerade ins Summer Breeze verliebt“, hält Flynn fest, als ein Crowdsurfer mit einem großen aufblasbaren Penis über die Menge getragen wird. Feuerwerk beschließt die bombastische Show, und die diesjährige Ausgabe des Summer Breeze findet sein Ende.

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Rund um das Festival

Vom Umgang der Mitarbeiter bis zur überall vorherrschenden Sauberkeit merkt man, dass eine herzliche Atmosphäre das Summer Breeze umgibt. In Umbaupausen kann man die Front-Of-Stage-Security beim Kicken mit Wasserbällen ertappen, Einlasskontrolleur:innen tanzen genauso zur Musik wie die Besucher:innen und begrüßen sich gegenseitig mit Mundtröten. An Armen und Kutten kann man Bändchen der letzten fünf, zehn, zwanzig Jahre zählen, viele Leute scheinen immer wieder kommen zu wollen. So sind manche von ihnen bereits selbst zu kultigen Figuren geworden – so etwa ein marktschreiender Eisverkäufer oder der „Stein-Kult“, der sich stets lautstark um einen Stapel Kiesel versammelt.

Nächste Ausgabe 2026

Zur 27. Ausgabe wurden bereits die ersten 50 Bands angekündigt, darunter Helloween, Arch Enemy und In Flames als Headliner. Weiterhin Lamb Of God, The Ghost Inside, Testament, Imminence, The Butcher Sisters und Airbourne. 2026 findet das Summer Breeze vom 12. bis 15. August statt. Insgesamt sollen wieder über 130 Bands auf vier Bühnen auftreten. Tickets sind über den Ticketshop für zur Zeit 199,99€ verfügbar – in nur einer Woche wurden bereits 25.000 Stück verkauft.

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Text: Julius von Glinski

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